Roger Federer dominiert das Welttennis
2004-2008: Unumstrittene Nummer Eins
Die Jahre von 2004 bis 2008 sollten die Jahre fast völliger Dominanz Federers im Tennis-Circuit werden. Die Australien Open 2004 waren hier gleich richtungsweisend: Federer erreichte ohne Satzverlust das Achtelfinale und schlug anschließend zwei Spieler, gegen die er eine klar negative Bilanz hatte: Hewitt und Nalbandian. Mit einem Sieg über die Nummer Zwei der Welt, Juan Carlos Ferrero, zog Roger Federer ins Finale ein, wo er Marat Safin mühelos in drei Sätzen besiegte und seinen zweiten Grand-Slam Erfolg perfekt machte. Darüber hinaus brachte ihm dieser Sieg die Position Eins der ATP-Weltrangliste ein, eine Position, die er in den nächsten vier Jahren (bis 17.8.2008) durchgehend innehaben sollte.Einen kleinen Rückschlag erlebte Federer in Paris bei den French Open, wo er in Runde 3 dem Sandplatzspezialisten und späteren Sieger Gustavo Kuerten unterlag, doch nur wenig später war er wieder voll da und gewann das Turnier von Wimbledon im Finale gegen Andy Roddick in vier Sätzen. Mit den Turniersiegen in Gstaad und Toronto wies Federer eine eindrucksvolle Siegessserie von 23 Spielen in Folge auf, bis er in Cincinnati in Runde 1 ausschied.
Eine sehr große Enttäuschung dagegen stellte für Federer das Ausscheiden bei den Olympischen Spielen dar. Federer war als klarer Favorit ins Turnier gegangen und darüber hinaus bei der Eröffnungsfeier der Fahnenträger der Schweiz gewesen. Doch der Tscheche Tomáš Berdych beendete den Traum vom Gold bereits in Runde 2.Federer machte das Beste aus seiner Enttäuschung und startete in den folgenden Monaten eine weitere Siegesserie: Nacheinander gewann er die US Open (iim Finale gestattete er Lleyton Hewitt lediglich den gewinn von insgesamt 6 Spielen) und zum Saisonende auch den Masters Cup, wo er im Endspiel erneut gegen Lleyton Hewitt gewann und somit seine Spitzenposition in der ATP-Weltrangliste weiter ausbauen konnte.
Anfang 2005 nahm Federer den Australier Tony Roche als Trainer unter Vertrag, der bereits zuvor mehrere Spieler zu großen Erfolgen geführt hatte, wie etwa Patrick Rafter oder Ivan Lendl. Mit Roche sollte Federer endlich der ersehnte Erfolg beim Grand-Slam Turnier in Paris gelingen, wo der Schweizer bis dahin stets katastrophal gespielt hatte.
Gleich zu Saisonbeginn war Federers Siegesserie aus dem Vorjahr wieder dahin: Bei den Australien Open unterlag er im Halbfinale Marat Safin. Doch direkt im Anschluss gewann Federer vier Turniere in Folge, darunter die Masters von Indian Wells und Miami. Bei letzterem Turnier gelang es Federer, gegen den aufstrebenden Jungstar Rafael Nadal einen 0:2 Rückstand nach Sätzen noch in einen Sieg umzuwandeln. Nadal hatte sich in der Weltrangliste bereits bis auf Position 2 vorgearbeitet und es war klar, dass er der stärkste Konkurrent Federers um die Spitzenposition im Welttennis der Herren werden würde.
Einige Monate später, in Roland Garros, war es dann auch eben dieser Nadal, der Federers Traum vom Sieg in Paris für ein weiteres Jahr zerstörte: Der Schweizer unterlag im Halbfinale in 4 Sätzen.
Nichtsdestotrotz bildete gerade diese Niederlage den Anfang einer bis dato beispiellosen Siegesserie für Roger Federer: In den Folgemonaten gewann er - mit nur einem Satzverlust! - die Turniere von Wimbledon, die US Open (im Finale in 4 Sätzen gegen Andre Agassi) und wurde erst im Finale des Masters Cup, nach 35 Siegen en suite, trotz einer 2:0 Satzführung von seinem alten Angstgegner David Nalbandian gestoppt. Natürlich lief Federer zum Saisonende dann auf Rang 1 der Weltrangliste ein.
Anders als im Vorjahr begann das Jahr 2006 für Federer wesentlich erfolgreicher: Er gewann seinen insgesamt siebten Grand-Slam in Melbourne. Doch schon kurz darauf, beim Turnier in Dubai, unterlag er im Finale Rafael Nadal, was den Auftakt für die vielen Duelle bilden sollte, die in den nächsten Monaten auf die Beiden zukamen. Hauptsächlich bei Sandplatzturnieren hatte der Spanier meist das bessere Ende für sich; so gewann er die Turniere von Monte Carlo und Rom jeweils im Finale gegen Roger Federer. Die Geschichte wiederholte sich in Paris: Trotz des Gewinns des ersten Satzes verlor Federer zum fünften Mal in Folge gegen Nadal und musste damit für ein weiteres Jahr die Hoffnung, endlich Roland Garros zu gewinnen, begraben.
Immerhin lief es in Federers Wohnzimmer nach wie vor prächtig: Er erspielte sich ohne einen einzigen Satzverlust die Finalteilnahme und schlug dort den Spanier Nadal in 4 Sätzen zu seinem vierten Wimbledontitel in Serie. Mit dem Sieg bei den US Open startete Federer eine weitere Siegesserie, gewann das Turnier von Madrid und zum ersten Mal auch sein Heimturnier in Basel im Finale gegen den Chilenen Fernando González.
So ganz nebenbei brach Federer damit den über 30 Jahre alten Rekord von Tennislegende Jimmy Connors, der in den 70ern einmal 160 Wochen nacheinander die Nummer eins im Tennis gewesen war.
Zum Saisonabschluss dominierte Federer ein weiteres Mal den Masters Cup und gewann ohne Satzverlust und im Finale gegen den US-Amerikaner Blake mit nur 7 abgegebenen Spielen in drei Sätzen. Keine Frage, dass Federer am Jahresende auf der Position 1 der Weltrangliste stand, zum dritten Mal in Folge, was bislang nur Jimmy Connors, John McEnroe, Ivan Lendl und Pete Sampras geschafft hatten
Das Jahr 2007 begann wie das Vorjahr auch mit dem Gewinn Federers bei den Australien Open in Melbourne - ohne Verlust eines einzigen Satzes! Das hatte bei einem Grand-Slam vor Federer letztmalig die Tennis-Legende Björn Borg 1980 geschafft. Doch obwohl Federer Nadal kurz darauf in Hamburg auf Sand besiegen und damit dessen atemberaubende Siegesserie von 81 Erfolgen nacheinander auf diesem Belag beendete, reichte es in Paris wieder nicht:
Im Finale zog er - natürlich mal wieder gegen Nadal - den Kürzeren.
Das Duell der beiden ewigen Kontrahenten setzte sich im Finale von Wimbledon fort und es war deutlich zu sehen, dass sich Nadal auch auf schnelleren Belägen stetig verbesserte, denn erstmals musste Federer über die volle Distanz von 5 Sätzen gehen, doch schließlich hatte er das bessere Ende für sich und gewann Wimbledon zum 5. Mal in Folge, womit er den Rekord von Björn Borg egalisierte. Den Schwung dieses Triumphes nahm er zu den US Open mit, wo Federer erneut als Sieger hervorging. Im Finale schlug er Novak Đoković aus Serbien in 3 Sätzen.
Ebenso gewann er zum Saisonende ein weiteres, dem insgesamt vierten Mal den Tennis Masters Cup und beendete das Jahr wieder auf Position 1 der Welt.
Nur ein Erfolg fehlte Federer noch: Der Grand Slam, der Gewinn aller vier großen Turniere innerhalb eines Jahres. 2008 unternahm er einen neuen Anlauf, scheiterte jedoch bereits in Australien: Im Halbfinale der Australian Open unterlag er Novak Djokovic, womit Federers eindrucksvolle Serie von 10 Grand-Slam Finalteilnahmen in Folge beendet war.
Es folgte eine Zeit von 3 Monaten, in denen Federer kein einziges Turnier gewinnen konnte, was im Nachhinein damit erklärt werden konnte, dass Federer im Dezember 2007 am Pfeiffer-Drüsenfieber erkrankte. Den ersten Sieg 2008 fuhr er beim ATP-Turnier in Estoril ein und stand kurz darauf wieder im Finale von Paris, musste dort aber erneut Rafael Nadal den Vortritt lassen, wobei dem Spanier das Kunststück gelang, Federer in 3 Sätzen nur 4 Spielgewinne zu gestatten.
Einen wahren Krimi lieferten sich die beiden wenige Monate später in Wimbledon: Wieder trafen sie im Finale aufeinander und dieses Mal zeigte sich, wie stark Nadal inzwischen geworden war: Mit 9:7 gewann der Spanier im fünften Satz und setze damit Federers Siegesserie von 65 Erfolgen auf Rasen nacheinander ein jähes Ende.

